Collie-Krankheiten

Rassehunde neigen häufig zu Gendefekten. Das ist je nach Hunderasse schon seit langer Zeit bekannt.

Dabei sind die Krankheitsbilder und Symptome oftmals sehr spezifisch für eine Rasse.

Die moderne Hundezucht begegnet dieser Problematik durch unterschiedliche Vorkehrungsmaßnahmen - so auch beim Collie.

Der Gesundheitszustand von Collies

Warum weisen gerade Rassehunde spezifische Krankheiten auf?

Sicherlich ist es dem einen oder anderen Hundeliebhaber beim Informieren über unterschiedliche Rassen schon aufgefallen, dass mit den Rassebeschreibungen immer sehr spezielle Krankheitsbeschreibungen einhergehen.

Das liegt salopp gesagt daran, dass es eben Rassehunde sind. Um das zu verstehen, muss etwas in der Historie von Rassehunden zurückgegangen werden. Eine Frage ist dabei von zentraler Bedeutung: warum wurden Rassen überhaupt gezüchtet und was sind Hunderassen eigentlich?

Hunderassen wurden gezüchtet, um sie an Arbeiten anzupassen

Aus heutiger Sicht würden Menschen vielleicht meinen, um eben eine bunte Vielfalt an schönen Hunden zu erhalten. Allerdings wurde der Großteil von Hunden, die wir heute als Hunderassen bezeichnen, aus einem einzigen Zweck gezüchtet: sie sollten bestimmte Aufgaben und Arbeiten übernehmen.

Von daher ist es durchaus falsch, von 'Rassen' zu sprechen. Es gab vor vielen hundert Jahren niemanden, der so etwas wie ein Hundezüchter war. Vielmehr erfolgte eine Selektion, eine Auslese der der Hunde. Bei den Collies sorgten Hirten dafür.

Hob sich ein Arbeitshund ausgesprochen positiv von den anderen Tieren des Rudels ab, wurde er ausgewählt, um für Nachwuchs zu sorgen. Gleichzeitig hatten auch andere Schäfer Interesse an einem besonders gut für die gestellten Aufgaben entwickelten Hund.

Rassehund bedeutet einen selektiv ausgewählten Hund

So nahmen die Hirten und Schäfer einerseits selbst die Selektierung vor, andererseits reichten sie Welpen auch weiter, wo sie ebenfalls wieder selektiert wurden. Krankheitsbilder, Genveränderungen usw. interessierten im Mittelalter aber niemanden - es war ja nicht einmal bekannt.

Durch diese Auslese wurde aber auch explizit der Gen-Pool bei Rassehunden immer weiter verringert. Es wurden zahlreiche Hunde verpaart, die sich bei den Anforderungen zum Arbeiten als besonders gut geeignet zeigten. So schritt die Selektierung immer weiter voran.

Viele Hunde einer Rasse sind miteinander verwandt

Die natürliche Vielfalt an Genen wurde so immer weiter reduziert. So sind viele der heute lebenden Hunde einer Hunderasse eng miteinander verwandt - es besteht also ein gewisser Grad an Inzucht. Jeder weiß, dass es auch beim Menschen zu Gendefekten und bestimmten Krankheiten kommen kann, wenn enge Verwandte gemeinsam Kinder zeugen.

Genau dieser Effekt stellt sich auch bei Rassehunden ein. Dank modernster Medizintechnik lässt sich sogar ein aufschlussreicher Beweis erbringen. So ist bekannt, dass es bei Collies zum sogenannten MDR1-Defekt kommen kann (Genaueres dazu später unter Collie-Krankheiten). Die Universität Gießen konnte feststellen, dass mehr als 75 Prozent aller Collies diesen Defekt aufweisen.

Der MDR1-Defekt geht wahrscheinlich auf einen einzigen kranken Hund zurück

Das Veterinary Genetics Laboratory der Universität Davis hat nun eine Testreihe angestrebt und genauere Untersuchungen bezüglich des Verwandtschaftsgrads recherchiert. Die Forscher kamen zu dem Schluss, dass sämtliche Collies mit diesem Defekt vom selben Hund abstammen müssen - einem Collie, der wohl um 1850 in England lebte.

Genau hier liegt das Problem bei Rassehunden. Davon betroffen sind nicht nur Collies. Es betrifft alle Rassen weltweit in derselben Weise. Heute wird die Situation von unseriösen Züchtern weiter verschlechtert. So gibt es Menschen, die Hunde als reine Show-Linie züchten - also selektieren.

Dabei muss man sich die in Jahrhunderten erzüchteten Wesenseigenschaften eines Hundes wie eine Kette von zueinander abhängigen Reaktionen vorstellen. Unseriöse Züchter missachten diese Problematik und halten ihr Augenmerk ausschließlich auf beispielsweise ein noch längeres Fell bei Bearded Collies.

Die sensible Eigenschaftskette der Hunde wird dabei zum Teil heftig zerstört. Die Kettenreaktionen laufen nicht mehr in der Weise ab, wie sie erfolgen sollten - also die Eigenschaften und Aufgaben, die sich hintereinander beim Hüten ergeben. Stattdessen kommt es zu völlig rasseuntypischen und krankhaften Erscheinungen wie Gendefekten, Missbildungen, Neurosen.

Die Gesundheit der Collies erhalten und stärken

Jeder Hundeliebhaber, der sich einen Rassehund (nicht nur Collie) von einem nicht anerkannten Züchter holt, trägt dazu bei, diese Krankheiten und Gen-Defekte weiter zu verbreiten. Die offiziellen Züchter sind nämlich über die Dachverbände wie FCI oder in Deutschland VDH angehalten, die Hunde auf bestimmte Erkrankungen zu untersuchen.

Entsprechen diese Hunde solchen Risikotieren, dürfen sie nicht zur Zucht weiter verwendet werden. So gibt es zum Beispiel ein Allel für einen Fellschlag, das nur eines der Elterntiere besitzen darf, andernfalls kommt es zu sehr heftigen Augen- und Ohrenschädigungen.

Nun ist dieses Allel bei adulten Tieren nicht unbedingt zu erkennen. Daher muss das mit entsprechenden Tests festgestellt werden. Der VDH hat konsequenterweise gleich die Züchtung des besagten Farbschlags untersagt. Das dient also der Gesundheit der Tiere.

Überhaupt besteht die Aufgabe der Rassenverbände darin, mögliche genbedingte Erkrankungen weiter auszumerzen, in dem die Zucht mit kranken Tieren verboten wird.

Spezielle Collie-Krankheiten

Der MDR1-Gen-Defekt

Dieser Defekt kann zu verschiedenen Auswirkungen führen. Dazu gehört eine Unverträglichkeit bestimmter Medikamente, die für andere Hunden wie auch für Menschen völlig verträglich sind. Werden solche Medikamente verabreicht, kommt es in weniger schlimmen Fällen zum Erbrechen und motorischen Störungen. Heftigere Auswirkungen sind komatöse Zustände bis hin zum Tod des Tieres.

Früher wurden diese Symptome als eine eigenständige Erkrankung dargestellt, die auf das Medikament Ivermectin zurückgeführt wurden. Inzwischen wurde aber der Zusammenhang mit dem Gen-Defekt erkannt. Es wird vermutet, dass mehr als zwanzig Arzneimittel betroffen sind, darunter Antibiotika und kardiologische Medikamente. Es gibt einen speziellen Bluttest, der den MDR1-Defekt nachweist.

Verpaaren von Collies mit dem Merle-Allel

Besitzen beide Tiere das Merle-Allel, kommt es zu heftigen und irreparablen Augen- und Innenohr-Schädigungen. Das Merle-Allel besitzen Tiere mit dem Farbschlag Blue-Merle, aber auch mit Sable-Merle. Bei diesen zobelfarbenen Collies ist das Allel oftmals nicht mehr zu identifizieren. Daher ist Sable-Merle vom VDH verboten.

Collie Eye Anomaly (CEA)

Bei der ebenfalls genetisch bedingten Collie-Augen-Anomalie kommt es zur Hypoplasie und Fehlbildungen von Ader- und Netzhaut des Collies. Das wiederum beeinträchtigt die normale Ausbildung von Blutgefäßen. Dadurch sind Einblutungen in den Augen, aber auch eine Netzhautablösung, möglich. Für den betroffenen Hund bedeutet das eine stark eingeschränkte Sehkraft bis hin zur völligen Blindheit.

Dermatomyositis

Eine bei allen Hunderassen vorkommende, aber insbesondere bei Collies häufig zu diagnostizierende genbedingte Erkrankung ist die Dermatomyositis. Sie stellt sich ungefähr ab der 7. Lebenswoche der Welpen ein und führt zunächst zu roten Pusteln und Läsionen. Diese heilen ab und hinterlassen Narben. Ungefähr ein bis zwei Monate später stellt sich dann meist der Muskelbefall ein.

Das führt insbesondere an den Kaumuskeln zu einem Muskelschwund, der mit Schwierigkeiten bei der Nahrungsaufnahme und Speichelfluss verbunden ist. Schwach ausgebildete Krankheitsbilder heilen zumeist von alleine ab, bei heftigeren Auswirkungen helfen Therapien mit Pentofyllin. Es gilt, traumatische Erlebnisse als auch Sonnenlicht zu vermeiden. Betroffene Tiere sollten von der Zucht ausgeschlossen werden.

Grey Collie Syndrom

Das Grey Collie Syndrom verdankt seinen Namen der auffälligen Graufärbung (von pink-grau bis hellgrau) des Fells bei Welpen. Viele Welpen überleben die auch als zyklische Neutropenie bekannte Krankheit nicht. Hunde, die heranwachsen, haben ein geschwächtes Immunsystem und werden zumeist nicht älter als 3 Jahre. Betroffene Tiere dürfen nicht als Zuchttiere Verwendung finden.

Discoid Lupus Erythematosus (Collie-Nase)

Eine Hautentzündung auf Nase und Wangen, die am ehesten einem schuppigen Hautausschlag gleichzusetzen ist.

Allgemeine Krankheiten, von denen Rassehunde betroffen sind

Magendreher

Gerade größere Hunde mit einem tiefen Brustkorb wie Collies neigen zu den berüchtigten Magendrehern. Dem kann dadurch entgegengewirkt werden, dass solche Tiere nicht ein bis drei große, dafür aber mehrere kleine Mahlzeiten täglich erhalten.

Demodicosis

Eine Infektion der Haut, die durch Parasiten ausgelöst wird

Mikrophthalmie

Auffällig kleine Augen deuten auf diese Erkrankung hin.

Weitere Krankheiten, gegen die präventiv vorgebeugt werden kann

Es gibt viele weitere Krankheiten, die mithilfe einer Impfung ausgeschlossen werden können. Dennoch neigt die Veterinärmedizin dazu, vermehrt auf bestimmte Nachimpfungen zu verzichten.

Das ist damit verbunden, dass das jährliche Nachimpfen bei Totimpfstoffen, wie sie vor 30, 40 Jahren üblich waren, notwendig sind, weil die Immunisierung schwächer ausfällt. Bei vielen Impfungen werden heute jedoch abgeschwächte Lebendimpfstoffe verwendet.

Die Immunisierung kann bis zu sieben Jahre und selbst lebenslang wirken. Erste Impfstoff-Hersteller gehen zwischenzeitlich zu Auffrischungen alle 3 Jahre über. Davon ausgenommen sind Impfungen, bei denen weiterhin Totimpfstoffe zum Einsatz kommen müssen. Dazu gehören Borreliose und Leptospirose.

Eine grundsätzliche Impfung wird unter anderem bei folgenden Krankheiten durchgeführt:

Welche Impfungen beim eigenen Collie notwendig sind, dazu berät der Tierarzt ausführlich. Impftermine sollten keinesfalls auf die leichte Schulter genommen werden.

Insbesondere vor Urlaubsaufenthalten mit dem Hund sollte der eigene Tierarzt ebenfalls aufgesucht werden, da bereits in vielen südlichen Ländern zusätzliche Gefahren lauern. Dabei sollte wenigstens ein halbes Jahr im Voraus zur Beratung gegangen werden, da der Immunisierungszeitraum bedacht werden muss.

Grundsätzliches zur Anfälligkeit von Collie-Krankheiten

Die hier aufgeführten Krankheiten geben einen Überblick über die wichtigsten und bekanntesten Erkrankungen, die bei einem Collie vorkommen können. Zum Teil ist das Risiko beinahe bei 0 Prozent, insbesondere, wenn auf Tiere von einem zuverlässigen und seriösen Züchter zurückgegriffen wird.

Einen Tierarztbesuch ersetzen die Beschreibungen dieser Seite in keinem Fall, auch sind die Ausführungen nicht abschließend. Viele Collies führen ein langes und gesundes Leben, denn allgemein gelten Collies als eine ausgesprochen gesunde Rasse. Das zu erreichende Durchschnittsalter der Tiere liegt zwischen 12 und 14 Jahren.

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